Frühjahrstournee 2025
Geschätzte Konzertbesucherinnen und -besucher
Als Felix Mendelssohn Bartholdy im Jahr 1842 die Uraufführung seiner a-Moll-Sinfonie dirigierte, war er dreiunddreissig Jahre alt und der berühmteste Komponist seiner Zeit. Mit dieser Sinfonie wollte er nicht nur das Erbe von Beethoven und Schubert pflegen (das er so gut wie kaum ein anderer kannte), sondern daraus etwas Neues machen; etwas Neues, das dem bürgerlichen Konzertpublikum damals zugänglich und verständlich war.
Das sinfonische Erbe umsichtig in die Zukunft führen und damit ein breites Publikum begeistern – genau dies will auch das Schweizer Jugend-Sinfonie-Orchester SJSO. So gesehen ist Mendelssohns Sinfonie das perfekte SJSO-Werk. Ja, überhaupt passt Mendelssohn zum SJSO: Als Wunderkind, dem seine wohlhabenden Eltern die bestmögliche Ausbildung zukommen liessen, und als Musiker, Komponist und Dirigent, der früh international Erfolg hatte, ist er den jungen Musikerinnen und Musikern im SJSO nicht unähnlich.
Glücklicherweise gibt heute die elterliche Finanzkraft nicht mehr den Ausschlag. Die musikalische Bildung ist institutionalisiert, und jedes Talent kann in ihren Genuss kommen, unabhängig von sozialer Schicht und Geschlecht – das war in der Familie Mendelssohn übrigens anders, wo Felix’ ebenso begabter Schwester Fanny die Berufslaufbahn verwehrt blieb.
Auch Gioachino Rossini startete seine Karriere früh und intensiv, aber ging auf dem Höhepunkt seines Ruhms – recht genau in dem Alter, in dem Mozart und Mendelssohn starben – in Frühpension. «Work-life balance» nennt man das heute. Rossini konnte sich das leisten, da er der meistgespielte Opernkomponist der Epoche war. Aber wussten Sie, dass er auch ein Fagottkonzert komponiert hat? Ich gebe es gerne zu, ich wusste es nicht. Und ich gebe sogar zu, dass nicht völlig sicher ist, ob das Stück, das erst vor dreissig Jahren in einer italienischen Bibliothek gefunden worden ist, wirklich von Rossini stammt.
Was ich Ihnen aber versichern kann, ist, dass die Entdeckung sich auch für Sie lohnen wird! Gefühl und Witz, Beschwingtes und Sangliches bietet das Konzert in Fülle, und die junge Schweizer Fagottistin Valeria Curti spielt diese hochvirtuose Musik aussergewöhnlich.
Zum Beginn des Programms erklingt die Ouvertüre zu Mozarts «Don Giovanni», für mich ein absolutes Repertoire-Highlight. Geleitet wird diese Ouvertüre von Gabriel Pernet, dem Assistenzdirigenten der diesjährigen Frühjahrstournee. Er ist nicht nur ein grosses Dirigier-Talent unseres Landes, sondern hat als Klarinettist schon mehrfach im SJSO mitgespielt. Gerne heissen wir ihn nun auf dem Dirigierpodest willkommen!
Zu den Werken
Romantischer Reichtum
Als Gioachino Rossini einmal gefragt wurde, welche seiner eigenen Opern ihm am liebsten sei, soll er nach kurzem Nachdenken geantwortet haben: «eh bien, c’est Don Giovanni!»
Mozart: Don Giovanni-Ouvertüre
Natürlich hat Rossini keinen «Don Giovanni» geschrieben; in einer Mischung aus Ausflucht und Ehrfurcht stellt er sich mit seiner scherzhaften Antwort ganz in den Schatten von Mozart. Die Anekdote zeigt den Stellenwert, den Mozarts «Don Giovanni» im 19. Jahrhundert hatte. Von E.T.A. Hoffmann über Puschkin bis Kierkegaard reichte die intellektuelle Anhängerschaft, und im Lichte des «Don Giovanni» wurde Mozart nicht mehr als heiterer Götterliebling wahrgenommen, sondern als vollendeter Dramatiker, als Komponist des Dämonischen, als Vorläufer der Romantik.
Das Dämonische steckt dabei nicht bloss in der Opernhandlung, sondern in Mozarts Musik selbst. Über die Musik der berühmten Szene, wo in der Oper der «steinerne Gast» auftritt, um Don Giovanni in die Hölle zu holen, liesse sich sagen, was E.T.A. Hoffmann zwei Jahrzehnte später über Beethovens Fünfte Sinfonie schrieb: Die Musik «bewegt die Hebel des Schauers, der Furcht, des Entsetzens, des Schmerzes, und erweckt jene unendliche Sehnsucht, die das Wesen der Romantik ist.»
Genau diese Schauermusik setzt Mozart als Einleitung an den Beginn seiner Ouvertüre. Nach der Moll-Einleitung folgt ein «Molto allegro» in Dur, gut gelaunt, funkensprühend – und ungemein kunstvoll. Mühelos hinkomponiert, «sans corrections, sans retouches», wie der französische Literat Louis Viardot 1856 staunend schrieb. Dabei hätte er es besser wissen müssen: Die Sängerin Pauline Viardot, seine berühmte Frau, hatte das Autograph von Mozarts Oper im Jahr zuvor in London erworben. Und im Manuskript (vgl. die Abbildung unten) ist zu sehen, wie dort, wo es in der Mitte der Ouvertüre kontrapunktisch wird, sogar Mozart wild radieren und durchstreichen und neuansetzen muss.
(© Paris, Bibliothèque nationale de France)
Pauline Viardot bewahrte die Partitur des «Don Giovanni» wie eine Reliquie in ihrer Pariser Wohnung auf und zeigte sie ausgewählten Gästen, u. a. Fauré, Tschaikowski – und Rossini, der darum bat, vor Mozarts Handschrift niederknien zu dürfen …
Rossini: Fagottkonzert
Vor dem Autograph von Rossinis Fagottkonzert hingegen kann niemand niederknien: Es ist verloren, falls es je existiert hat. Rossini soll das Stück einst für den Fagottisten Nazzareno Gatti komponiert haben. So berichtete es jedenfalls eine Leipziger Musikzeitung, als Gatti 1893 starb. Erst 1994 wurde in einer Bibliothek in Ostiglia die Abschrift eines Fagottkonzerts gefunden, das laut Deckblatt «composto dall’esimio Rossini» (komponiert vom verehrten Rossini) sei.
Nun beweisen Deckblätter allein keine Autorschaft. Rossini lebte zwar tatsächlich in den 1840ern in Bologna und beriet dort das Liceo Musicale, wo Gatti studierte. Aber er komponierte damals fast nichts. Und selbst wenn Gatti den berühmten Rossini vielleicht überreden konnte, ihm für die Abschlussprüfung ein Konzert zu machen, ist gut möglich, dass Rossini bloss eine Skizze lieferte, und andere die Ausarbeitung und Instrumentierung übernahmen. Wie auch immer Rossinis Anteil an diesem Konzert ist: Die Fagottist*innen von heute nehmen das Geschenk dankbar an. (Vgl. das Interview mit Valeria Curti)
Mendelssohn: a-Moll-Sinfonie
Als im Jahr 1842 Nazzareno Gatti in Bologna sein Fagottstudium aufnimmt, gelangt im fernen Leipziger Gewandhaus am 3. März eine neue Sinfonie zur Uraufführung: «Unter der Direktion des Herrn Kapellmeister Dr. Felix Mendelssohn Bartholdy» erklingt dessen «Symphonie in a Moll» zum ersten Mal, gespielt aus handschriftlichen Noten.
Leicht gemacht hat es sich Mendelssohn mit dem Werk nicht. Dreizehn Jahre sind vergangen zwischen der ersten Skizze und der Vollendung, und den grössten Teil davon verbrachte das Stück in Mendelssohns sprichwörtlicher Schublade. Die erste Idee fasste der junge Komponist im Jahr 1829 während eines – vom Vater Abraham minutiös geplanten – Aufenthalts in Grossbritannien. Im April reiste Mendelssohn zunächst in die Metropole London und feierte dort als Komponist, Pianist und Dirigent gleichermassen grosse Erfolge. Nach den Strapazen der Konzertsaison bereiste Mendelssohn im Juli und August das schottische Hochland: Dessen faszinierende Natur, die bewegte Geschichte und nicht zuletzt die Literatur – z.B. die Romane von Walter Scott oder die Epen des vorgeblich altgälischen, tatsächlich aber von James Macpherson erfundenen Dichters namens «Ossian» – hatten das Gebiet zu einem Sehnsuchtsort der Romantik werden lassen.
Neben Erholung und dem Bildungsaspekt sollte die künstlerische Inspiration also nicht zu kurz kommen. Mendelssohn, der seine Eindrücke in einem Reisetagebuch auch zeichnerisch festhielt, hatte bereits im Vorfeld der Reise die Idee zu einem «schottischen» Stück geäussert. In Edinburgh besichtigte er schliesslich den Holyrood Palace, einst Residenz der Königin Maria Stuart, und besonders tat es ihm die angrenzende, zur Ruine zerfallene Stiftskirche (vgl. die Abbildung unten) an.
«In der tiefen Dämmrung gingen wir heut nach dem Pallaste wo Königinn Maria gelebt und geliebt hat […]. Der Kapelle daneben fehlt nun das Dach, Gras und Epheu wächst viel darin, und am zerbrochnen Altar wurde Maria zur Königinn von Schottland gekrönt. Es ist da alles zerbrochen, morsch, und der heitre Himmel scheint hinein. Ich glaube, ich habe heut da den Anfang meiner Schottischen Symphonie gefunden.»
(Aus einem Brief von Felix Mendelssohn-Bartholdy an seine Familie in Berlin, 30. Juli 1829)
(Liverpool, Walker Art Gallery via Wikimedia Commons)
Die erste Skizze legte Mendelssohn jedoch bald wieder beiseite, und auch die nächsten beiden Jahre, während seiner Italienreise, wagte er sich noch nicht an die Komposition: «vom 15ten April bis 15ten May [1831] ist die schönste Jahreszeit in Italien – wer kann es mir da verdenken, daß ich nicht in die Schottische Nebelstimmung mich zurückversetzen kann?» Zurück in Berlin komponierte Mendelssohn also zunächst seine «Italienische» Sinfonie zu Ende, die heute (weil er sie zu Lebzeiten nie für den Druck freigegeben hatte) als Vierte gezählt wird. Die Arbeit an der Dritten, der «Schottischen», nahm er erst 1841 wieder auf.
A propos «Schottisch»: Den Bezug zu Schottland verschwieg Mendelssohn in der Öffentlichkeit, denn weder im Autograph, auf dem Programmzettel der Uraufführung noch im Erstdruck erscheint dieser Beiname. Einzig die Widmung an Victoria von England verweist von ferne auf das Königreich. Ohne die verbale Stütze assoziierten weder Publikum noch Kritiker die Sinfonie mit der schottischen Gedankenwelt. Der prominenteste von ihnen, Robert Schumann, versetzte das Werk gar nach Italien – in Unkenntnis der in Leipzig noch nicht aufgeführten «Italienischen».
Dennoch können wir diese Musik heute kaum noch ohne den schottischen Hintergrund hören. Zu bildhaft, zu atmosphärisch ist sie, reichend von dunkel-sehnsüchtigen Kantilenen über folkloristisch angehauchte Tanzmusik bis zu Gewitterschilderungen – die übrigens deutlich die musikalische Dramatik von Mozarts «Don Giovanni» anklingen lassen, eine Wendung ins Dämonische auch hier.
Ebenso aussergewöhnlich ist die Form der Sinfonie. Das klanglich gedämpfte Sehnsuchts-Thema am Beginn des Werks (langsame Einleitung, a-Moll) spannt einen Bogen über das ganze Werk: Es setzt sich nicht nur motivisch im Allegro-Teil fort, sondern kehrt auch am Schluss des ersten Satzes unerwartet wieder. Im dritten Satz findet es sein besinnliches Gegenstück, und am Ende des Finales scheint es schliesslich in der Gestalt eines hymnischen A-Dur-Themas wiederzukehren (motivisch ist dieses allerdings vom Seitenthema des Finales abgeleitet, vgl. das Notenbeispiel unten). Eine Art Beethovensches «vom Dunkel ans Licht» mit enger Verbindung der vier Sätze, die ohne Pause aufeinander folgen. Und doch ist diese Musik ganz anders: inniger, geheimnisvoller, poetischer – romantischer eben.
Bank Cler: Finanzen regeln. Entspannt leben.
Musik entspannt.
Ein guter Plan für die Finanzen auch.
Geniessen Sie das Konzert der Frühjahrtournee des SJSO? Das geht umso besser, wenn Sie sich keine Sorgen um Ihre Finanzen machen müssen. Wer seine Finanzen im Griff hat, kann sich den schönen Dingen im Leben widmen. Wir, die Bank Cler, helfen dabei doppelt: Einerseits ermöglichen wir mit unserem Sponsoring die regelmässigen Tourneen des SJSO, andererseits verhelfen wir Ihnen zu einem kompetenten Umgang mit Ihren Finanzen.
Die Finanzen spielten auch im Leben der Komponisten der Werke unseres heutigen Konzertabends eine wichtige Rolle.
Mozart war finanziell kein Genie
W.A. Mozart hat zwar gut verdient, aber er gab auch gerne Geld aus. So besass er eine prunkvolle Garderobe und ein Pferd – heute vielleicht mit einem Sportwagen vergleichbar. Er litt sehr unter der finanziellen Unsicherheit. Im Mai 1790 schreibt er in einem Brief, er würde, wenn er «dermalen wenigstens 600 Gulden in die Hände bekäme, ziemlich ruhig schreiben können – denn ach! Ruhe gehört dazu … –»
Seine finanziellen Sorgen lähmten seine Kreativität, trotzdem musste er aus finanzieller Not immer mehr Aufträge annehmen. Er machte bei seinen Freunden Schulden, was ihn weiter bedrückte. Unter dieser mehrfachen Belastung litt seine Gesundheit. Er starb mit nur 35 Jahren.
Wir hätten ihn heute mit praktischen Lösungen für seine Alltagsfinanzen und mit lohnenswerten Sparmöglichkeiten unterstützt. In einer ganzheitlichen, kostenlosen Erstberatung hätten wir ein strukturiertes Budget mit ihm erarbeitet und langfristige Sparziele definiert.
Rossini liess sich frühpensionieren
Dagegen hatte Gioachino Rossini ein besseres Händchen für Geld: Nach der Premiere seiner Oper «Wilhelm Tell» im Jahre 1829 stand er auf dem Höhepunkt seiner Karriere – und hängte seinen Job mit 37 Jahren an den Nagel.
Das sorgte für Aufsehen, und die Forschung rätselt bis heute über die genauen Gründe. War es die Konkurrenz durch eine neue Opern-Generation? Lag es an seiner Gesundheit? Bis zu 5 Opern pro Jahr hatte Rossini zuvor geliefert. Eine Workload, die ihren Tribut forderte.
Klar ist: Rossini konnte sich seine Frühpensionierung leisten, nicht zuletzt dank einer staatlichen Ehrenrente. Er genoss seine Zeit als allseits geschätzter Gastgeber mit einem Appartement in Paris und einer Villa in Passy.
(Nadar / Metropolitan Museum of Art via Wikimedia Commons)
Das freut uns natürlich für ihn genauso wie für alle anderen, die ihre (finanziellen) Ziele erreichen. Wir zeigen Ihnen gerne, wie Sie das auch schaffen: mit einer umfassenden Finanzplanung, individuellen Anlagemöglichkeiten und der persönlichen langfristigen Begleitung durch ausgewiesene Fachleute.
A propos: Rossini liess sich in Finanzdingen von seinem Freund Alexandre-Marie Aguado beraten, einem der mächtigsten Bankiers in Paris. Der Legende nach entwarf Rossini die Ouvertüre zu «Wilhelm Tell» beim gemeinsamen Fischen, während sich die beiden über Anlagemöglichkeiten unterhielten …
Mendelssohns doppeltes Erbe
Felix Mendelssohn Bartholdy musste nicht erst fischen gehen, um sich mit einem Bankier auszutauschen: Sein Vater war Mitgründer eines Bankhauses. So hatte Mendelssohn die finanziellen Möglichkeiten, sich ein Leben lang voll und ganz der Musik zu widmen.
In der Familie Mendelssohn gesellte sich zu einem finanziellen Erbe aber auch ein geistiges. Von seinem Vater wurde Mendelssohn ermahnt, insbesondere auf dem Gebiet der Sinfonik «etwas Tüchtiges zu schaffen».
Um den hohen Erwartungen gerecht zu werden, arbeitete Mendelssohn so hart wie Mozart und Rossini – und starb bereits mit 38 Jahren. Jung wie Mozart, aber keineswegs arm, woraus die Nachwelt ihm perfiderweise einen (antisemitischen) Vorwurf machte.
Geregelte Finanzen für mehr Kunst, Musse und Wohlbefinden
Mit dem romantischen Klischee, dass Kunst brotlos sein muss, können wir wenig anfangen. Umso überzeugter sind wir davon, dass Geld im Leben eine wichtige Rolle spielt. Darum unterstützen wir das SJSO als Sponsorin und ermöglichen damit unter anderem Tourneen wie diese.
Um auf der anderen Seite als Gast die Musik vollkommen zu geniessen, sollte man entspannt sein. Eine Voraussetzung dafür sind geregelte Finanzen, weil man sich damit sicher fühlt, kompetent entscheidet und seine Ziele erreicht. Das entspannt und macht den Kopf frei für Schöneres.
Wir verhelfen gerne auch Ihnen zu mehr Klarheit im Umgang mit Geld: mit praktischen Lösungen für den Zahlungsverkehr, lohnenswerten Sparmöglichkeiten, Anlagen für jeden Bedarf, cleveren Vorsorgelösungen und umfassenden Finanzplanungen.
(© David Bühler)
Das Orchester
Schweizer Jugend-Sinfonie-Orchester
Seit 1969 vereint das Schweizer Jugend-Sinfonie-Orchester (SJSO) hohes Können mit Leidenschaft, indem es musikbegeisterte Jugendliche aus allen Landesteilen zusammenbringt. Damit gehört das SJSO zu einer der ganz wenigen gesamtschweizerischen Kulturinstitutionen.
Es ist ein Orchester der besonderen Art: Aus allen vier Landesteilen der Schweiz kommen bis zu hundert junge Musikerinnen und Musiker im Alter von 15 bis 25 Jahren zusammen und führen unter der Leitung erfahrener Dirigent*innen anspruchsvolle Werke aus allen Epochen der klassischen Musik auf.
In den Proben und bei den Konzertauftritten machen die talentierten Jugendlichen wichtige Erfahrungen im Orchesterspiel, die den weiteren Verlauf ihrer Musikerlaufbahn entscheidend prägen. So sind viele der ehemaligen SJSO-Mitglieder heute in renommierten Berufsorchestern engagiert.
Dank der Mehrsprachigkeit werden auch Brücken zwischen den einzelnen Kulturkreisen der Schweiz geschlagen. Das Schweizer Jugend-Sinfonie-Orchester vermag während der Frühjahrs- und Herbsttournee mit jeweils fünf bis sieben Konzerten in der ganzen Schweiz das Publikum immer wieder aufs Neue in seinen Bann zu ziehen und die Medien zu begeistern.
Durch diese Nachwuchsförderung im Bereich der klassischen Musik leistet das SJSO einen wichtigen Beitrag im schweizerischen Kultur- und Bildungswesen. Möglich macht dies die finanzielle Unterstützung von Bund, Kantonen, Gemeinden, Unternehmen, privaten Stiftungen und der eigenen Förderergesellschaft. Seit 2018 unterstützt die Bank Cler das SJSO als Sponsorin.
Künstlerischer Leiter des SJSO ist seit Sommer 2023 Johannes Schlaefli.
Orchesterbesetzung Frühjahr 2025
Violine I
Konzertmeister:
Claire Nendaz (Sion)
Emma Blandinières (Sion)
Miriam Bögli (Bern)
Giulia Durante (Viganello)
Lea Diana Erni (Basel)
Alice Fassone
Selina Frei (Rüti/ZH)
Annina Holliger (Basel)
Ziyu Liao (Zürich)
Naomi Onaka (Winterthur)
Tim Vernet
Violine II
Stimmführung:
Sophie Knöchelmann (Büren/SO)
Arthur Gautier (Vésenaz/GE)
Andreas Lakner (Gebenstorf)
Sofia Lluna (Genève)
Michaela Meienberg (Muri)
Elena Moruzzi (Neuchâtel)
Rebecca Pavageau (Basel)
Mathilde Reymond (Neuchâtel)
Michèle Rüegg (Herrenschwanden)
Viola
Axel Caulier (Corsier/GE)
Yunan Chen (Basel-Stadt)
Vladimir Kharatyan (Zurich)
Syméon Newell (Genève)
Naomi Spicher (Corcelles-près-Payerne)
Hanna Werner (Tägertschi)
Violoncello
Stimmführung:
Camille Thévoz (Penthalaz)
Wolfgang Boichut (Lausanne)
Giulietta Di Marco (Lausanne)
Julien Fornerod (Lausanne)
Marina Margheri (Prato)
Capucine Pasquier (Neuchâtel)
Naomi Tschopp (Luzern)
Kontrabass
Stimmführung:
Arnauld Crettenand (Hérémence)
Ramona Eisenring (Lichtensteig)
Dimitri Neff (Zürich)
Flöte
Mathilde Barat (Gaillard)
Valentin Kruger (Lucerne)
Oboe
Jean-Baptiste Drennan
Léane Plain (Gibswil)
Nicky Schmidli (Aproz)
Klarinette
Sylvain Bodet (Lausanne)
Julian Remund (Seon)
Fagott
James Dodd
Julia Graf (Aarau)
Ré MInart-Warscotte (Annemasse)
Horn
Philippe Hess (Basel)
Emanuel Kiser (Wahlendorf)
André Marques (Sarnen)
Eloy Tamò (Basel)
Nils Wiesli (Oerlikon)
Trompete
Rodrigo Paiva Machado (Zürich)
Luana Schoch (Zürich)
Timpani
Elia Maigre (Bernex)
Register-Coaches
Maciej Burdzy (2. Konzertmeister Luzerner Sinfonieorchester)
Agata Lazarczyk (Stimmführung 2. Geigen Argovia Philharmonic)
Michel Rouilly (ehemals Solo-Bratsche Tonhalle-Orchester Zürich)
Christian Proske (Stv. Solo-Violoncello Tonhalle-Orchester Zürich)
Peter Kosak (Stv. Solo-Kontrabass Tonhalle-Orchester Zürich)
Rossanna Rossignoli (Solo-Klarinette Sinfonieorchester Basel)
Dirigent
JOHANNES SCHLAEFLI
Johannes Schlaefli ist ständiger Gastprofessor an den Musikhochschulen in Frankfurt/Main und Zürich, Dirigent des Alumni Sinfonieorchesters Zürich und Künstlerischer Leiter des Schweizer Jugend-Sinfonie-Orchesters SJSO.
Seit seiner Emeritierung als Professor an der Zürcher Hochschule der Künste widmet er sich verstärkt den zahlreichen Meisterkursen innerhalb seiner «Conducting Academy Johannes Schlaefli» und ist international ein stark gefragter Dozent und Mentor. Einladungen nach Oslo, Helsinki, Kopenhagen, Berlin, Hamburg, Frankfurt, Wien, Salzburg, Sofia, New York usw. zeugen von seiner starken internationalen Ausstrahlung.
Als Dirigent hat er in jungen Jahren die «Serenata Basel» (heute Kammerorchester Basel) mitgegründet und während 15 Jahren geleitet, danach das Berner Kammerorchester und von 2013–2019 das Kurpfälzische Kammerorchester Mannheim als Chefdirigent geführt. Ab 2018 hat er dem Collegium Musicum Basel als Chefdirigent und künstlerischer Leiter gedient, und diese Position im Sommer 2023 wieder abgegeben. Als Gastdirigent ist er mit vielen Orchestern in der Schweiz und in Europa sowie in den USA und Südamerika aufgetreten.
Seine jahrzehntelange Arbeit mit dem Akademischen Orchester Zürich AOZ, dem Akademischen Kammerorchester Zürich AKO und nun seit achtzehn Jahren mit dem Alumni Sinfonieorchester Zürich haben die Zürcher Musikszene nachhaltig mitgeprägt.
https://johannesschlaefli.com/ | https://conductingacademy.ch/
Assistenzdirigent
Gabriel Pernet
Gabriel Pernet begann im Alter von sieben Jahren Klarinette zu spielen. Nach einem Pre-College-Studium am Conservatoire de Lausanne, wo er Klarinette und Blasorchesterleitung studierte, machte er seinen Bachelor an der Musikhochschule Bern (2022) und seinen Master Performance an der Hochschule Luzern (2024) im Fach Klarinette. Während dieser Zeit spielte er in verschiedenen professionellen Schweizer Orchestern (Kammerorchester Basel, Sinfonieorchester Biel-Solothurn, Gstaad Festival Orchestra und Luzerner Sinfonieorchester). Er spielt regelmässig im SJSO mit und dirigiert das «Orchestre Symphonique en Vogue», ein von ihm 2019 in Lausanne mitbegründetes Jugendorchester.
Während seines Klarinettenstudiums organisierte und leitete Gabriel Pernet zahlreiche Projekte mit Studenten- oder Amateurorchestern, die er an verschiedenen Musikhochschulen (Bern, Lausanne, Zürich) dirigiert. Zwischen 2022 und 2023 nahm er an Meisterklassen für Dirigieren bei den Professoren Johannes Schlaefli und Christoph-Mathias Mueller teil.
Im Sommer 2024 hatte Gabriel Pernet das Glück, in die renommierte Gstaad Conducting Academy aufgenommen zu werden, was ihm die Möglichkeit eröffnete, das Gstaad Festival Orchestra unter der Leitung von Jaap van Zweden und Johannes Schlaefli zu dirigieren.
Am Ende des Abschlusskonzerts der Gstaad Conducting Academy gewann er den renommierten Neeme-Järvi-Preis, was ihm die Einladung einbrachte, in der Saison 2025/2026 das Basler Kammerorchester, das Orchestre de chambre de Lausanne, die Philharmonie Südwestfalen und das Sinfonieorchester Biel-Solothurn zu dirigieren.
Im September 2024 begann Gabriel Pernet sein Dirigierstudium in der Klasse von Prof. Christoph-Mathias Mueller an der Zürcher Hochschule der Künste.
Solistin
Valeria Curti
Valeria Curti ist Dozentin für Fagott an der Hochschule der Künste Bern und Solofagottistin des Musikkollegiums Winterthur.
Sie versteht sich als Künstlerin, deren zentrales Anliegen es ist, mit ihren Instrumenten und ihrer Interpretation die Musik jeder Epoche lebhaft und kommunikativ darzustellen. Sie stellt dabei technische Brillanz nicht in den Vordergrund, sondern benutzt sie, um sensibel die Klangfarben, Rhythmen und die Dynamik zu erkunden und darzustellen. Parallel zu ihrem modernen Fagott spielt sie auch ein original spätromantisches Heckel-Fagott aus dem Jahr 1893 und ein Barockfagott.
Nach dem mit Auszeichnung abgeschlossenen Bachelorstudium bei Matthias Rácz schloss sie in Salzburg bei Marco Postinghel und bei Sergio Azzolini in Basel zwei Master-Studiengänge mit der Bestnote ab.
Ihre interpretatorische Kompetenz wurde mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem bedeutenden Göhner Musikpreis (2021), dem 1. Preis an der IDRS Young Artist Competition (2015) in Tokyo oder dem Studienpreis des Migros Kulturprozent (2017).
Als Orchestermusikerin trat Valeria Curti projektweise als Solofagottistin mit dem Royal Philharmonic Orchestra in London, dem City of Birmingham Symphony Orchestra oder dem Scottish Chamber Orchestra auf. Seit der Saison 2022/23 ist sie als Solofagottistin des Musikkollegiums Winterthur engagiert.
Ihre kommunikativen Fähigkeiten als Musikerin und Mensch werden auch ausserhalb des Orchesters geschätzt. So trat Valeria Curti als Solistin mit verschiedenen Schweizer Orchestern auf und gibt regelmässig Kammermusikkonzerte. Über ihr Début am Festival Musikdorf Ernen schreibt Madeleine Hirsiger: «Es war ein wahres Vergnügen, ihr dabei zuzusehen, wie sie die dunklen Klangfarben mit spielerischer Sensibilität solistisch in die Musik des Orchesters integrierte.»
Als Mitgründerin des Trios Lusinea pflegt Valeria Curti die rare Literatur für Fagott, Flöte und Harfe.
Interview mit Valeria Curti
Opernsängerin auf dem Fagott
Valeria Curti im Gespräch über ihr Instrument und über Rossinis Fagottkonzert
Valeria Curti, warum gibt es kaum Fagottkonzerte aus dem 19. Jahrhundert? Das liegt unter anderem am Instrumentenbau. Das Fagott hat sich Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts extrem weiterentwickelt, und in der Romantik hätte sich das Instrument einfach gegen die immer grösser werdenden Orchester klanglich noch nicht durchsetzen können. Also das muss ein Hauptgrund gewesen sein, denn das Fagott ist doch so ein schönes Instrument! Wer hätte da nicht für Fagott schreiben wollen (lacht).
Hätte es denn überhaupt fähige Fagott-Solisten gegeben zu jener Zeit? Ja, die gab es, z.B. Carl Bärmann, Fagottist der Königlich Preussischen Kapelle in Potsdam, der 1820 einen Artikel über das Fagott in der renommierten «Allgemeinen musikalischen Zeitung» veröffentlicht hat. Darin lamentiert er darüber, wie schlecht seine Kollegen – damals vermutlich ausschliesslich Männer – spielen, und wie unterschätzt das Fagott darum sei. Ich habe mir das mal notiert: Das Fagott werde oft auf «nachtheilige und ganz zweckwidrige Art behandelt»; es fehle an gründlicher Ausbildung und sauberer Intonation. Dabei habe das Fagott so grosses Potential, im besten Fall sei alles «von edler Eindringlichkeit, tragend und singend» und mit einem «sammetartigen Ton», der jedem «Tenorsänger den Rang streitig» mache, schreibt er.
Auch Nazzareno Gatti (1822–1893) muss zu den herausragenden Fagottisten des Jahrhunderts gehört haben, und diesem verdanken wir Rossinis Fagottkonzert. Braucht es einfach Ausnahmefagottist*innen, damit Werke entstehen? Vermutlich schon, das ist oft so passiert. Gatti war auch als Lehrer einflussreich und hat eine Fagottschule geschrieben, die bis heute bekannt ist. Wenig später gab es in Italien Antonio Torriani, für den z.B. Verdi die berühmten Fagottsoli in seinem Requiem komponiert hat.
Und diese Fagottisten müssen ausserordentliche Virtuosen gewesen sein, denn Stücke wie Rossinis Konzert sind auch nach heutigen Massstäben richtig schwierig, nicht? Ja, das Stück ist schwer. Es gibt technisch anspruchsvolle Sachen, z.B. die schnellen Passagen ganz gegen Ende. Aber auch hohe Töne, z.B. das hohe «C» am Ende des zweiten Satzes, was auf den damaligen Instrumenten noch viel schwieriger war.
Ob das Stück wirklich von Rossini stammt, ist ja alles andere als klar. In meinem Studium in Basel bei Sergio Azzolini, der das Konzert erstmals herausgegeben hat, war natürlich immer klar: Das ist Rossini. Aber ich weiss, dass viele davon nicht überzeugt sind aus verschiedenen Gründen. Wir Fagottist*innen haben nicht so viel Literatur, und wenn dann so etwas kommt – wer es nun geschrieben hat, sei dahingestellt –, dann freuen wir uns einfach über so tolle Musik.
Hast Du persönliche Lieblingsstellen? Der Anfang des zweiten Satzes! Ich mag generell die lyrischen Momente. Und die opernhaften – z.B. im dritten Satz, wo es wirklich nach Rossini-Oper klingt. Überhaupt hat das Konzert viele opernhafte Züge, vielleicht spiele ich es deswegen so oft und gerne. Es ist mir eigentlich das liebste unter den romantischen Fagottkonzerten; vielleicht, weil es mir persönlich am meisten entspricht. Ich wollte früher Opernsängerin werden. Der Traum ist Traum geblieben, und es ist ganz gut, dass ich beim Fagott geblieben bin. Aber im Herzen bin ich vielleicht eine kleine Opernsängerin geblieben.
Das Sangliche geht ja oft etwas vergessen, wenn es ums Fagott geht. Ja, und das geht mir dann manchmal etwas auf den Wecker. Gut, das Groteske – etwa bei Bartók – gehört dazu, aber das Filmmusik-Klischee vom lustigen Fagott finde ich schade. Mir persönlich sind jene Facetten viel näher, die sich in der russischen Musik gerne zeigen: Das Lyrische, Dramatische, Gesangliche.
Wie würdest Du den Charakter Deines Instruments, seine Rolle im Orchester beschreiben? Seine Tonlage ist derjenigen der menschlichen Stimme am nächsten. Und im Vergleich zu anderen Holzblasinstrumenten gelingt es dem Fagott besonders gut, sich manchmal zu verstecken, dann aber auch hervorzutreten. Es kann sich ganz in den Bläserklang mischen – besser, als das Oboen können. Es kann dann aber in den richtigen Momenten auch mit einem Strahl – besser als eine Klarinette – Aufmerksamkeit auf sich lenken.
Und widerspiegelt sich in dieser Charakteristik auch der Charakter der Fagottist*innen? Ich finde es immer interessant, Instrumente zum Charakter zuzuordnen. Von mir würde ich jetzt nicht sagen, dass ich einen typischen Fagottcharakter hätte. Ich glaube, ich habe eher einen Solo-Oboen-Charakter (lacht).
Dann steht das Verstecken und Verschmelzen bei Dir weniger im Zentrum. Spielst Du dann fast lieber Kammer- als Orchestermusik? Im ganz grossen Sinfonieorchester fühle ich mich weniger wohl als in der Kammermusik – darum gefällt es mir auf meiner Orchesterstelle beim Musikkollegium Winterthur, wo wir kleiner besetzt spielen. Das ist fast Kammermusikmachen im Grossen. Das Orchester möchte ich nicht aufgeben, das wäre schade. Aber am allerwohlsten fühle ich mich als Solistin, ja.
Als Ausnahme-Solistin, für die dann ja vielleicht eines Tages ein grosses schönes Fagottkonzert entsteht, ganz in der Nachfolge von Nazzareno Gatti & Co.? Das wäre toll!
(© David Bühler)
Knobeln und Gewinnen!
Sie kennen sich in Klassik, Oper und Tanz aus wie in Ihrer Westen- bzw. Handtasche? Dann haben wir für Sie genau das Richtige: Unser musikalisches Kreuzworträtsel!
Unter allen richtigen Einsendungen verlosen wir Ende Juni zwanzig Freikarten für die Frühjahrstournee 2025.
(© David Bühler)
Dank
Das SJSO dankt seinen treuen und grosszügigen Unterstützer*innen: Namentlich dem Bundesamt für Kultur, der Bank Cler, der Förderergesellschaft und vielen weiteren hier aufgeführten.
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Das Schweizer Jugend-Sinfonie-Orchester SJSO ist die sinfonische Talentschmiede der ganzen Schweiz. Schon ab CHF 50 können Sie diese einzigartige Kulturinstitution unterstützen.
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